Monika Herma-Boeters
ist niedergelassene Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie Psychotherapeutin in Esslingen. Früh hat sie begonnen, die Hypnose in ihre therapeutischen Verfahren einzubeziehen.
Für Ärzt*innen, die Hypnosetechniken als Behandlungsmethode erlernen möchten, bietet sie ein vierteiliges Curriculum an.
Im Juli 2026 wurde Monika Herma-Boeters als neues Mitglied in den Aufsichtsrat gewählt.
Frau Herma-Boeters, aus welchen Beweggründen engagieren Sie sich bei PädNetzS eG?
Die Veranstaltungen des PädNetzS sind aus meiner Sicht eine gute Methode, mit Fachkolleg*innen zusammenzutreffen. Ein guter Austausch mit den Kolleg*innen der Kinder- und Jugendheilkunde ist mir sehr wichtig und ich versuche daher immer, es zeitlich so einzurichten, dass ich daran teilnehmen kann. Als Mitglied des Aufsichtsrats kann ich mich nun auch aktiv in die Genossenschaft einbringen.
Möchten Sie sich kurz vorstellen?
Ich bin Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -therapie am Zentrum für psychisch belastete Kinder und ihre Familien in Esslingen. Mein Studium habe ich in Kiel absolviert, danach meine Facharztausbildung für Kinder- und Jugendpsychiatrie gemacht und den Facharzt für Psychiatrie. Die Weiterbildungen zur Fachärztin für Psychotherapie und Psychotherapie sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie gab es damals noch nicht. Ich habe diese dann später noch angehängt. Parallel dazu habe ich die Ausbildung zur psychoanalytisch systemischen Therapeutin abgeschlossen und nun versuche ich, alles, was ich erlernt habe zu nutzen, um meinen Patient*innen zu helfen.
Wann kamen Sie mit Hypnose als therapeutischem Verfahren in Berührung?
Das war schon sehr früh, noch während meines Medizinstudiums. Mein Mann, der ebenfalls Psychiater war und in Kiel einen Lehrstuhl inne hatte, arbeitete viel mit therapeutischer Hypnose und bildete auch Ärzt*innen der Psychiatrie darin aus. Das Verfahren fand ich gelungen, weil man schon mit wenig Möglichkeiten eine ganze Menge bewirken kann. Oft reicht eine Sitzung aus.
Was passiert bei der Hypnose?
Die Patient*innen werden in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt. Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patient*in und Therapeut*in ist wichtig. Auch ich als Therapeutin muss spüren, dass ich beim Patienten oder der Patientin angekommen bin. Dann überträgt sich das, was ich als Hilfestellung mitgebe. Damit kommt ein unbewusster Prozess in Gang und eine entsprechende Reaktion wird hervorgerufen. Ich gebe nie etwas vor, die Patient*innen finden selbst eine Lösung, wie sie das, was sie stört, am besten beseitigen. Das ist ein unbewusster Vorgang, der gleichwohl ein gutes Ergebnis aufweist.
Die Behandlung von ADHS ist ein Schwerpunkt von Ihnen. Inwiefern kann hier die Hypnose unterstützen?
Hypnose ist bei jeder Form von Aufmerksamkeitsdefizitstörung eine gute Hilfe, das sehen wir in unserer Arbeit immer wieder, beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen mit einer ADHS-Störung, die in zweiwöchigem Rhythmus im Rahmen einer Gruppenbehandlung zu mir kommen. Ich versetze die Patient*innen zuerst in Hypnose, sie erleben Ruhe. Dann bringe ich ihnen bei, wie sie sich selbst Ruhe verschaffen können und auch wie sie erlernen können, sich besser zu konzentrieren. Dabei gehe ich zu jedem einzelnen Kind und sage dreimal das Wort „konzentrieren“. Jedes Kind wiederholt es gedanklich für sich. Ich gebe ihnen dann einen Code mit, zum Beispiel indem sie Zeigefinger und Daumen zusammenpressen. Danach hole ich sie aus der Hypnose zurück. Die Kinder suchen sich dann einen farbigen Klebepunkt aus, den sie auf ihr Mäppchen kleben. Wenn die Kinder im Schulunterricht spüren, dass ihre Konzentration weg rutscht, schauen sie auf diesen gewählten Punkt, denken dabei dreimal „konzentrieren“ während sie gleichzeitig ihren „Code“ durchführen, und schon ist die Konzentration wieder da.
Könnte hier das Verfahren die Medikamentengabe ganz ersetzen?
Ich kann mir vorstellen, dass es gelingen könnte. Die Kinder müssten dann jedoch in kurzen Abständen ihre Übung machen. Schwierig wird es, wenn neue Situationen hinzukommen, mit denen sie sich noch nicht auseinandersetzen konnten. Dann muss man sicher therapeutisch unterstützen. Unter Umständen kann man die Medikation reduzieren oder auch mal weglassen. In allen Situationen aber, die auch sonst schwierig für ein in seiner Aufmerksamkeit gestörtes Kind sind und in denen es nicht mehr zurecht kommt, werden die Medikamente hilfreich sein. Das sind beispielsweise Situationen, in denen sich zu viele Menschen um das Kind herum befinden und in denen es keine Möglichkeit hat, auszuweichen. Das kann etwa ein volles Klassenzimmer sein oder ein hoher Lärmpegel in der Klasse.
Wo lässt sich die Hypnose noch einsetzen?
Therapieerfolge können allgemein schneller und nachhaltiger erzielt werden. Wir sehen gute Ergebnisse beispielsweise bei der Behandlung von Essstörungen. Ebenso ist bei der Enuresis die Hypnose sehr hilfreich, wohingegen ich sie bei der Enkopresis nicht einsetze. Hier kommt man nur durch eine Verhaltensänderung des Kindes weiter, bei der es selbst „ins Arbeiten“ kommen muss. Bei allen Ängsten hilft die Hypnose richtig gut. Auch beim Lernen oder wenn es darum geht, sich besser konzentrieren zu können.
Bei Angst vor Prüfungen und davor, nicht zu bestehen, obgleich man gut gelernt hat, kann eine „Prüfungshypnose“ sehr unterstützend sein. Der oder die Proband/in erscheint einen Tag vor der Prüfung bei mir in der Praxis. Ich versetze ihn oder sie in Hypnose und gehe systematisch die ganze Prüfung in der Hypnose durch. Die Themen die abgefragt werden, habe ich vorher erfahren. Mit dem letzten Satz „Ich schaffe es!“, der den Wunsch der Probandin oder des Probanden ausdrückt, prägt sich dies ein und wird die Prüfung gelingen.
Bei der Traumatherapie kann Hypnose dabei helfen, die eigene innere Sicherheit, die in der Regel im Rahmen des Traumas brüchig wurde, wieder zu „reparieren“. Anschließend werden die Quälgeister (Trigger) „entsorgt“.
Sie bieten eine Hypnose-Master Class für Ärzt*innen an.
An welche Fachrichtungen richtet sich der Kurs und was erwartet die Teilnehmer*innen?
An alle Fachrichtungen. Hin und wieder kommen auch Pädiater*innen, die das erlernen wollen. Die Seminarteilnehmer*innen erfahren die wissenschaftlichen Grundlagen und historischen Hintergründe. Sie erlernen unterschiedliche Vorgehensweisen der Hypnose und/oder Hypnotherapie, erhalten Informationen über Anwendungsmöglichkeiten und Kontraindikationen. Es werden differenzierte Techniken vermittelt und in der Anwendung geübt, wobei die Proband*innen in den Übungen beide Seiten selbst erfahren können, je nachdem, ob Sie sich in der Rolle der Therapeut*innen oder der Klient*innen befinden. Die Kursteilnehmer*innen sollten in der Folge in der eigenen Praxis üben. Bei auftretenden Schwierigkeiten kann dann innerhalb der Kurszeit im Rahmen der Supervision unterstützt werden. Für Fortgeschrittene biete ich außerdem gesondert Supervision zu mitgebrachten Fallbeispielen an.
Wie ist die Vergütung für Hypnoseleistungen seitens der gesetzlichen Krankenkassen?
Die Vergütung für die Hypnose ist leider gering, genauso wie beim Autogenen Training, welches ja die Tochter der Hypnose ist. Beide Verfahren sind hier wirklich unterrepräsentiert, obgleich es so gute Methoden sind, die sich in vielen schwierigen Lebenslagen, in die die Patient*innen rutschen können, gut anwenden lassen.
Den Flyer Masterclass „Ärztliche Hypnose kompakt“ mit näheren Informationen zum Kurs können Sie auf unserer Website
www.paednetzs.de abrufen.
https://paednetzs.de/wp-content/uploads/2026/10/PaedNetzS_Flyer_web-Herma-Boeters_Flyer.pdf