Genossenschaft der fachärztlichen Versorgung
von Kindern und Jugendlichen

2/2026

PädNetz Akademie

Frühgeborene begleiten – Verantwortung, Chance und Herausforderung in der pädiatrischen Praxis

Die Fortschritte der Neonatologie haben in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass immer mehr sehr kleine und unreife Frühgeborene überleben. Was zunächst wie eine Erfolgsgeschichte der Intensivmedizin klingt, stellt uns in der ambulanten Pädiatrie mitunter vor eine anspruchsvolle Aufgabe: die langfristige Begleitung dieser Kinder und ihrer Familien.

Genau hier setzt die Unterrichtseinheit der Pädnetz-Akademie an. Sie richtet sich an Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten, die nicht nur Leitlinien kennen, sondern Sicherheit im praktischen Umgang mit ehemaligen Frühgeborenen gewinnen möchten.

 

Warum auch die Nachbetreuung entscheidend ist

Frühgeborene bringen ein spezifisches Risikoprofil mit, das sich oft erst im Verlauf zeigt. Neben bekannten Themen wie bronchopulmonaler Dysplasie, Gedeihstörungen oder neurologischen Entwicklungsauffälligkeiten begegnen uns im Praxisalltag zahlreiche subtilere Herausforderungen: Regulationsstörungen, Fütterprobleme, erhöhte Infektanfälligkeit oder auch elterliche Unsicherheit.
Die Nachsorge bedeutet deshalb mehr als das Abarbeiten von Vorsorgeuntersuchungen. Sie erfordert ein strukturiertes, vorausschauendes Vorgehen – und vor allem ein gutes Gespür für die Dynamik zwischen Kind, Entwicklung und familiärem Umfeld.

 

Was erwartet Sie im Seminar?

Die Einheit ist bewusst praxisnah konzipiert. Ziel ist es, Ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, die Sie direkt in Ihrer täglichen Arbeit einsetzen können.

Im Mittelpunkt stehen die Fragen der TeilnehmerInnen, z.B.:

  • Strukturierte Nachsorgeprogramme: Welche Intervalle sind sinnvoll? Welche Untersuchungen sind essenziell – und welche u.U. übersehen
  • Typische Langzeitkomplikationen: Von pulmonalen und neurologischen Problemen bis hin zu Wachstums- und Ernährungsfragen.
  • Entwicklungsdiagnostik im Alltag: Wann ist „noch im Rahmen“ – und wann sollten wir gezielt intervenieren
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Wann überweisen? Wie koordinieren? Und wie behalten wir den Überblick?
  • Elternberatung: Wie vermitteln wir Sicherheit, ohne Risiken zu bagatellisieren?

Besonderer Wert wird auf Fallbeispiele gelegt, die typische Entscheidungssituationen aus der Praxis widerspiegeln. Denn oft sind es gerade die Graubereiche, in denen klinische Erfahrung und strukturiertes Wissen zusammenfinden müssen.

 

Zwischen Leitlinie und Realität

Ein wiederkehrendes Thema des Seminars ist die Diskrepanz zwischen theoretischen Empfehlungen und praktischer Umsetzbarkeit. Wie gehen Sie mit begrenzten Ressourcen um? Wie priorisieren Sie bei komplexen Verläufen? Und wie behalten Sie die Balance zwischen medizinischer Wachsamkeit und unnötiger Überdiagnostik?
Die Veranstaltung möchte hier keine starren Rezepte liefern, sondern Orientierung geben – und Raum für eigene klinische Entscheidungen schaffen.

 

Für wen ist die Einheit besonders geeignet?

Die Inhalte richten sich primär an Ärztinnen und Ärzte in Weiter­bildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt für Kinder- und Jugend­medizin. Besonders profitieren werden diejenigen, die

  • bereits erste Erfahrungen in der ambulanten Pädiatrie
    gesammelt haben,
  • sich mehr Sicherheit im Umgang mit ehemaligen
    Frühgeborenen wünschen,
  • ihre Kenntnisse in Entwicklungsbeurteilung und Langzeit­betreuung vertiefen möchten.

Auch für Kolleginnen und Kollegen mit Interesse an Neonatologie oder sozialpädiatrischen Fragestellungen bietet die Einheit wertvolle Impulse.

 

Warum Sie teilnehmen sollten

Die Nachbetreuung von Frühgeborenen gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Pädiatrie. Sie begleitet Kinder oft über ­­Jahre hinweg und ermöglicht es, Entwicklung aktiv mitzugestalten.
Dieses Seminar bietet Ihnen die Gelegenheit, Ihre Kompetenzen in diesem Bereich gezielt auszubauen – praxisnah, interaktiv und mit einem klaren Fokus auf Ihren klinischen Alltag.
Wenn Sie sich künftig sicherer fühlen möchten, wenn ein ehemaliges 26-Wochen-Kind in Ihrer Sprechstunde sitzt – dann sind Sie hier richtig.

Robert Wagner

Der Leiter des Seminars „Neonatologie und Früh­geborenen-Nachsorge“ Dr. Robert Wagner ist Facharzt für Kinder- und Jugend­medizin mit Schwerpunkt / Zusatzbezeichnung Neonatologie und pädiatrischer Pneumologie.

Die 30-jährige Berufserfahrung sowohl in der stationären Versorgung von Früh- und Neugeborenen als auch in deren ambulanter Nachbetreuung führte jüngst auch zu seiner Berufung in den Weiterbildungsausschuss der Bezirksärztekammer Nord-Württemberg.

Sein besonderes Interesse gilt der Frage, wie komplexe neonatologische Inhalte in den Alltag der pädiatrischen Praxis übersetzt werden können – verständlich, strukturiert und mit Blick auf die tatsächlichen Bedürfnisse von Kindern und Familien.